Sensationeller Rodinger Sieg gegen den Favoriten aus Obrigheim

Sonntag, 19.Januar 2020

Reissen um 100 Gramm verloren, aber Punkte beim Stoßen und im Zweikampf mit starker Teamleistung erkämpft – ProtokollBilder

Die „Hölle war los“ am Samstag beim ersten Bundesligawettkampf des Jahres vor 450 begeisterten Zuschauern im Rodinger Hebertempel. Trotz mehrerer Faschingsveranstaltungen reichten die aufgestellten Plätze bei bei weitem nicht aus. Die Fans ahnten anscheinend was an Spannung und Nervenkitzel am Samstag auf sie zukommt. In letzter Zeit lies der Besucherandrang bei den Hebern ja etwas nach und so wurden die Verantwortlichen am Samstag förmlich überrollt, sorgten aber schnell für weitere Sitzgelegenheiten.

So begrüßte ein strahlender Abteilungsleiter Matthias Hecht an die 400 Gäste aus Nah und Fern. Besonders natürlich die Staffel aus Obrigheim mit ihrem Abteilungsleiter Volker Hauß, die mit einem vollen Bus von Schlachtenbummlern anreisten. Landrat Löffler meinte, als er knapp vor Wettkampfbeginn in die Halle kam: „So voll habe ich es hier noch nicht gesehen“. Unter den Gästen auch Bundestrainer David Kurch, der seine beiden Olympia-Aspiranten Simon Brandhuber, TB Roding und Nico Müller, SV Obrigheim betreute und beobachtete.

Heberkrimi

Einer der spannendsten Wettkämpfe in der Rodinger Bundesliga Geschichte ging am Samstag im Rodinger Hebertempel über die Bühne. Es knisterte förmlich bei jedem Versuch. Zuerst lautstarke Anfeuerung mit Trommeln, Ratschen, Sirenen, Hupen, Kuhglocken und natürlich starkem Klatschen. Doch wenn der Heber auf die Bühne trat, wurde es mucksmäuschenstill still, und man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Dann begeisterter Applaus für jeden Versuch. Trotz Top-Leistungen beim Reißen entrissen die Gäste vom Neckar den Athleten vom Regen dem Punkt beim Reißen. Der Armenier Sargis Martirosjan (110,9 kg Körpergewicht) mit österreichischer Staatsangehörigkeit und in Diensten von Obrigheim, hatte den letzten Versuch an 174 kg und schnappte um 100 Gramm den Gastgebern den ersten Punkt weg. „Schade, schon wieder so knapp“, meinte Abteilungsleiter Matthias Hecht.

TB packte die Keule beim Stoßen aus

Aber die TB-Stemmer betrauerten den Punkteverlust nicht lange. Im Gegenteil, die Tatsache, dass man so gut mit dem mehrfachen Deutschen Mannschaftsmeister vom Neckar mithalten konnte, stachelte die Einheimischen für das Stoßen erst richtig an. Annika Pilz mit 66 kg beim Reißen und Hermann Voit mit starken 150 kg beim Stoßen lieferten als Paar 126,3 Punkte. Annabell Jahn zeigte nach ihrer Krankheitspause noch etwas Defizit, lieferte aber mit 107 Punkten einen guten Wettkampf. Auch Hans Brandhuber musste verletzungsbedingt das Training etwas zurückschrauben, doch mit großem Kampfgeist brachte er 132/166 kg  und 125,4 Punkte ein.

178 Punkte für Brandhuber

Nach vielen Wettkämpfen und dreimal über 140 Punkte für Roding musste auch der Pilsener Petr Stransky sein Wettkampftraining zurückschrauben. Nach 125 kg Reißen und 154 kg Stoßen lieferte er gute 128 Relativpunkte ab. Simon Brandhuber zeigte, dass er für seinen Olympia Qualifikationswettkampf in Rom gut gerüstet ist und lieferte mit 178 Relativpunkten bei (140/168kg) bei nur 68,5 kg Körpergewicht das beste Ergebnis des Tages ab. Der TB-Hebertrainer Gregor Nowara kämpfte vorbildlich für sein Team. Er brachte sechs gültige Versuche in die Wertung und stellte nach 150 kg beim Reißen seinen persönlichen Rekord an 190 kg Stoßen ein. Bei 92,6 kg Körpergewicht ergab dies einen neuen Relativrekord von 154,8 Punkten.

Vom Bob zum Gewichtheben

Damit baute Roding seinen Vorsprung beim Stoßen kontinuierlich aus und am Ende verzichtete Sargis Martirosjan nach 198 kg Stoßen auf seinen letzten Versuch, weil der Vorsprung der Einheimischen bei 489,9 : 473,3 Punkte beim Stoßen uneinholbar war. Er war aber mit 164 Relativpunkten stärkster Heber im Gästeteam hinter Olympiakandidat Nico Müller, der bei seinen Versuchen seine Top-Qualitäten zeigte und 151,6 Punkte lieferte. Im Obrigheim Team ging eine weitere Österreicherin, Victoria Hanhn an den Start, die bei der letzten Winterolympiade noch als Anschieberin im Österreich Bob saß und jetzt beim Gewichtheben eine zweite Kariere versucht. „Die Technik ist schwierig zu erlernen“, meinte sie nach drei ungültigen Versuchen.

Simon – Stimmung wie seit Jahren nicht mehr

Am Ende tobte die Halle nach den nicht erwarteten zwei Punkten gegen den haushohen Favoriten. Heber, Betreuer und Fans lagen sich in den Armen. Roding siegte mit 809,5:793,4 Punkten und lieferte das zweitbester Ergebnis der Vereinsgeschichte ab. Der Rekord steht bei 811,1 Punkten. Natürlich gab es ein dreifaches „Das war Spitze“ für die Rodinger Staffel. Dann hatten die Mannschaftssprecher das Wort. Jakob Neufeld für Obrigheim meinte: „Ich liebe solche Wettkämpfe wie heute, wo Stimmung und Spannung drin sind. Schön war’s wieder in Roding und danke allen Helfern“ Simon Brandhuber erwiderte für Roding: „Ich hätte mir zum Saisonbeginn nie träumen lassen, dass wir den Deutschen Vizemeister hier schlagen. Aber Kompliment an die Zuschauer, ihr habt eine Stimmung gezaubert, wie seit Jahren nicht mehr, das hat uns alle beflügelt.